Das Behälter ist eine Band, die in ihrem Inneren einen Hohlraum aufweist. Wenn die Musik beginnt füllt dieser sich mit der Weisheit von Jahrtausenden, der Liebe der Heiligen und dem anarchistischen, exzessiven Groove der Shizo-Disko.

 

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Julius Gabriel | saxophones … Gabor Bodolay | bass … Karl-F. Degenhardt | drums

Achim Zepezauer | electronics … J X Ende | vocals

 


 

REVIEWS

„Das Behälter“ am 27. August 2014 im „Rekorder“ in der Dortmunder Nordstadt

J X Ende als dadaistische Mischung aus Klaus Kinski und Ian Curtis zwischen vier großartigen Instrumentalisten, die ihre Virtuosität völlig beiläufig ausleben.
Achim Zepezauer liefert eine Neudefinition des Sample-Elektronikers. Nicht nur Klangflächen und programmatische Text- oder Musikeinspielungen in der Tradition Pierre Schaeffers und Christian Marclays sind sein Beitrag. Kämper, der vom Schlagzeug kommt, ist mit perkussiven Samples elementarer Bestandteil der Rhythmusgruppe wie ein Perkussionist einer Jazzband. Diese Samples kommen zum Teil direkt aus seinem alten Plattenspieler, den er u.a. mit Aufnahmen einer Opernsängerin bestückt.
Gabor Bodolay ist ein Bassgitarrist, dem man seine Liebe zu den Basics ansieht, sei es ein Country&Western-Wechselbass oder ein Siebziger-Discogroove. Mit seinem Counterpart Karl-F. Degenhardt, der listig am Drumset den Free-Jazz-Humor pflegt, führt Bodolay diese Grooves in die Absurdität.
Gabriel kann mit seinem Baritonsaxophon Grooves antreiben, zirkular atmend mit dem Sopransaxophon langweiligste Achtziger-Keyboardlicks unendlich wiederholen oder mit dem Tenorsaxophon genau das tun, was man von einem Saxophonisten erwartet. Kurz gesagt: Er kann so ziemlich alles, was die Familie der Saxophone hergibt. Er kann aber etwas, was nur wenige Musiker können, und das trifft auf alle Bandmitglieder zu: Sie können einander zuhören und mit ihrer kompositorischen Kompetenz jedes Konzert spontan neu entwerfen.
Joscha Hendricksens unendlicher Fluss aus Sprache und Gestik findet in seiner stilistischen Vielseitigkeit zwischen Expressionismus, Hip-Hop und grandios belanglosem Befindlichkeitsgeschwätz keinen Vergleich.
„Das Behälter“ gibt dem improvisatorischen Umgang mit Text und Musik eine neue Dimension.

(Guido Schlösser)

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November 2015

“Nach ihrem furiosen Dortmund-Debüt 2014 am selben Ort darf ich mich wieder wie Diedrich Diederichsen fühlen.

Am Puls der Zeit!

Mit dem Unterschied, dass die Band, die ich feiere, wirklich spielen kann. „Spielen“ nicht nur im Sinn von Reproduktion vorgefertigter Songs, sondern Spielen mit musikalischen, poetischen und theatralischen Strukturen.

Frontmann Joscha Hendricksen scheint übers Jahr eine Schlagerplattensammlung durchgehört und diverse Gruppentherapien absolviert zu haben. Die Eröffnungssequenz qualifiziert ihn zum Jim Morrison der abgeschlossenen Türen. Schlagzeuger Karl-F. Degenhardt und Bassgitarrist Gabor Bodolay gebärden sich Hendricksen entsprechend rauschhaft und debil in ihren Temposchwankungen.

Das zweite Konzert im Rekorder ist wie der zweite Satz einer Sinfonie.
„Andante“ heißt „langsam gehen lassen“. Einzelne Stimmungen werden ausführlich ausgespielt. Euphorie kommt nie auf, aber auch nie Langeweile. Saxophonist Julius Gabriel weiß die Bögen zu spannen. Er kann sich auch über lange Strecken als völlig repetitiver Rasselspieler betätigen.

Großartig gespielter Trip-Hop erscheint als Abbild der post-thatcheristischen Schröder-Blair-Gesellschaft, in der jeder depressive Mensch sein Unbehagen an der Gesellschaft in Unternehmertum umsetzen soll.

Achim Zepezauer bedient in diesem Jahr die Band selten mit perkussivem Sample-Spiel. Stattdessen lässt er seine Sequenzen oft gegen Degenhardts und Bodolays perfekte oder auch manchmal gewollt unperfekte Grooves changieren.

„Das Behälter“ um Joscha Hendricksen bot auch in diesem Jahr im Dortmunder „Rekorder“ einen großartigen Abend.

Weniger plakativ, auch weniger farbenreich, aber dafür umso intensiver verstrickt in die Geschichte der deutschen und europäischen Popmusik, bietet „Das Behälter“ 2015 eine Spielfläche, auf der sich das musikalische und poetische Bewusstsein jedes Hörers, der „the other side“ erreichen will oder bereits erreicht hat, austoben kann.”

 (Guido Schlösser)

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freiStil Magazin für Musik und Umgebung

DAS BEHÄLTER

the world is all that is the case (LP)

Eigenvertrieb / www.dasbehaelter.de

J X Ende (voc, glockenspiel), Julius Gabriel (sax), Achim Zepezauer (e), Gabor Bodolay (b), Karl-F. Degenhardt (dr)

Ich brauch ein Bücherregal, um dort zu schlafen. So lautet der letzte Satz, den J X Ende auf der Debüt-LP dieser Wahnsinns-Ruhrgebiet-Band aus sich herausdrückt. Auf den beiden dunkelvioletten Vinylseiten improvisiert und liest er Texte, mal gesprochen, selten gesungen, manchmal sogar fast gerappt, voller Sinn und Nonsens, die auch noch alle auf der Innenhülle abgedruckt sind. Geräusche und Scats, Gestöhntes und Gegrunztes sowie sein Glockenspiel machen das Spektakel komplett. Dazu kommt allerlei Buntes aus der Klangwelt der The Dorf-Musiker Achim Zepezauer an seinem Tischlein Elektrisch und Julius Gabriel am Tenor und Sopran. Die beiden verstehen es aufs vorzüglichste, den Rhythmusteppich, den Bass und Schlagzeug schaffen, mit kurzen Samples oder einem Freejazz-Solo auszuklopfen. Immer wieder zischt und brodelt es, alles greift ineinander und lässt sich, trotz der vielen Informationen, wunderbar entspannt hören. Es bleibt lebendig, auch weil Bodolay und Degenhardt, die den Groove haben und variabel halten, genau an den richtigen Stellen anziehen oder die Richtung ändern, stolpern oder ihn einfach gekonnt fließen lassen. Trockener Funk, Dub, Drum’n’Bass, Disco oder Jazz vermischen sich mit lässiger Selbstverständlichkeit. Toll! Toll! Toll! (sim)

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http://www.nrwjazz.net/rezensionen/2015/dasbehaelter_nrwjazz_Heinrich_Brinkmoeller-Becker/